Die VIVA Beyond ist zum Zeitpunkt meiner Reise seit gut zwei Wochen im Dienst von VIVA Cruises: Sie wurde am 8.Mai 2026 getauft. Ich hatte mich entschieden die zweite reguläre Reise zu buchen – neugierig auf das neue Schiff und das angekündigte höherwertige Konzept.
Franz Neumeier war bei der Taufe dabei und hat sehr positiv berichtet:
https://www.cruisetricks.de/viva-beyond-das-erste-schiff-von-viva-boutique-im-portrait/
Deshalb war ich gespannt, wie es mir gefällt. Über die Reise insgesamt gibt es einen eigenen Blog. Hier geht es vor allem um das Schiff und das Konzept.
Die Unterlagen
Nach der Restzahlung bekommt man den Voucher und die Unterlagen incl. der Angabe des Steigers für die Ein- und Ausschiffung. Die angebene Adresse führt Taxis in die Irre, denn um zum Ziel zu kommen muss man muss weit vor der angegebenen Nummer hinter einer Kreuzung in eine schmale Strasse einbiegen ohne das der Steiger ausgeschildert wäre und dann noch rund 50 Hausnummern durch zunächst industrielles Gelände fahren, um anzukommen. Die angegebene Strasse mit der Hausnummer bringt nicht einmal Sichtkontakt zum Schiff – eine bessere Ausschilderung zum Liegeplatz der Flusskreuzfahrtschiffe wäre mehr als sinnvoll. Mich hat die irreführende Ortsangabe ein paar (unnötige) Euros mehr beim Taxi zum Schiff gekostet – und der Taxifahrer konnte schlecht Englisch, während ich kein Französisch kann.
Das Schiff
Die VIVA Beyond ist kein Neubau – und das merkt man vor allem bei den vielen Treppen. Wer auf einem Flusskreuzfahrtschiff reist, weiß, dass es keine Barrierefreiheit gibt und man noch leidlich zu Fuss unterwegs sein können sollte. Aber im Vergleich zur VIVA One und VIVA Two ist hier mehr Treppensteigen, zum Teil auf schmalen, steilen Treppen, gefragt – und mit Handläufen nur an einer Seite der Treppen.









Die neuen Kabinen
„Die Kabinen überzeugen mit einem höchsten Niveau an Komfort.“ (VIVA-Website)

Der Fokus auf der VIVA Beyond liegt offenbar (leider) – auch bei Sorgfalt der Planung und dem Service – auf den Suiten. Die Kabinen hatten demgegenüber offenbar nur weniger Aufmerksamkeit: Die Kabinen auf der Beyond sind klein – und es gibt weniger Stauraum und ein kleineres Badezimmer. Das geht für eine Person leidlich gut, aber zwei Personen müssen vermutlich morgens und abends schauen, wie sie sich abstimmen.







Der Tisch in der Kabine ist – neben zwei winzigen Nachttischen – die einzige offene Ablagefläche in der Kabine und hat kaum freie Tischfläche. Der Spiegel ist aus raumästhetischen Gründen so angebracht, dass man davor nicht sitzen kann, weil ein kleiner Schubladenschrank dort steht. Vor dem Spiegel im winzigen Badezimmer kann man übrigens auch nicht sitzen.






Bei der Tür muss man bei den Kabinen aufpassen, dass sie wirklich geschlossen ist. Ein Heranziehen lässt sie in der Regel doch offen, aber ein lautes, kräftiges Knallen stellt sicher, dass sie zu ist und bleibt. Ein Problem, dass dazu führt, dass man gelegentlich nicht ganz geschlossene Türen im Korridor sieht – und selbst zum Schutz davor auch lautes Türschließen erwägen sollte.
Die Restaurants
Auf der VIVA Beyond sind – für rund 100 Passagiere – drei Restaurants im Angebot.
Das Hauptrestaurant Riverside ist für Frühstück, Lunch und Abendessen mit freier Platzwahl während der Öffnungszeiten zugänglich und entspricht dem, was man in diesem Restauranttyp auf den anderen VIVA Schiffen gewohnt ist. Es ist solide, gutes Essen, in der Präsentation noch etwas besser als ich es bisher erlebt habe und dank der geringeren Passagierzahl hat man eigentlich kein Problem, einen Tisch zu finden.
Es gibt für das Abendessen noch das Moments mit 12 Sitzplätzen am Heck des Schiffes, in dem ein vom Sternekoch David Görne komponiertes Menü angeboten wird. Man muss seinen Platz vorher reservieren, und kann das als Kabinengast einmal tun. Hier wird das Versprechen des besonderen Erlebnis eingelöst – es ist ein besonderes Menü, das die Köchin in der offenen Küche mit ihrem Assistenten für 6 2er-Tische unter oftmaliger Verwendung von Pinzetten beim Anrichten zubereitet und präsentiert und zusammen mit einer besonderen Weinauswahl von einer wunderbaren Gastgeberin serviert wird.
Hinter der Lounge gibt es noch die Brasserie als Alternative für ein Abendessen im Riverside, auch hier muss man an der Rezeption vorher einen Platz reservieren. Es gibt unbequeme Zweier-Tische mit so wenig Platz auf dem Tisch, dass da nicht mal Salz und Pfeffer steht. Die kleine Karte ist nichts für Vegetarier, es gibt kleine Portionen und guten Wein. Der Service ist wunderbar.
Der Service ist noch nicht dem Anspruch eines Boutiquehotels entsprechend
Der Kabinenservice auf dieser Reise entsprach nicht dem Standard, den ich bisher von VIVA gewohnt bin. Das begann schon bei der etwas lieblosen Begleitung zur Kabine, ging mit einem schmutzigen Weinglas zum Begrüssungs-Cremant weiter und auch der erste Abendservice war schlechter als ich es von VIVA gewöhnt bin: das (vor dem Abendessen) benutzte Badezimmer hatte – im Gegensatz zu meinen früheren Erfahrungen – keine Beachtung bekommen. Die Minibar war nicht wieder aufgefüllt worden. Das Bett war zwar vom Auspackschutz befreit, aber die Zierdecke einfach nur zur Hälfte zurückgeschlagen. Eigentlich müsste es doch dafür einen Lagerplatz geben, wenn beide Betten genutzt werden. Immerhin waren die leeren Flaschen der Minibar weggeräumt, der Papierkorb geleert und am 1.Abend ein Schokotäfelchen, nix Besonderes, am 2.Abend wohl ausnahmsweise eines von Leonidas, fand sich auf dem Bett. Und die Fenster waren nicht ordentlich geputzt.
Die Crew ist noch in der Einarbeitung. So fiel beim ersten Stop in Conflans z.B. erstmal niemanden auf, dass ein Ein- und Auschecken nicht möglich ist, weil die Geräte nicht sofort nach dem Anlegen aufgestellt und gestartet waren. Auch wenn die Bordsprachen offiziell Deutsch und Englisch sind – man kommt im Kontakt mit der Crew weit besser zurecht, wenn man in Englisch kommunizieren kann.
Beim ersten Abendessen im Riverside war der (junge) Service – im Gegensatz zur Küche – noch nicht ganz auf dem Niveau meiner bisherigen VIVA-Reisen. Zunächst fragte man das nach mir gekommene Paar am Nebentisch nach seinen Wünschen. Wasser wurde auch bei leerem Wasserglas nicht nachgeschenkt. Der Löffel zur Suppe kam nach der Suppe, obwohl davor noch eine Vorspeise kam. Bei der Suppe gab es keine Frage, ob noch weiteres Brot gewünscht ist. Der Rose zu den ersten drei Gängen wurde ins Rotweinglas eingeschenkt, dafür der Rotwein zum Käse in das Weißweinglas. Das hat sich aber schnell geändert und der Service im Riverside war gut und persönlich genauso wie der Barservice, der auch regelmässig auf dem Deck vorbei geschaut hat.

Was perfekt lief, war der Abend im Moments. Eine wunderbare, herzliche und professionelle Servicekraft (Bianca Peirera) und eine Köchin, die ihr Handwerk versteht. Da ich keinen Fisch esse, hatte ich wunderbare Alternativen für diese beiden Gänge. Das Essen war grossartig – und der Service auch. Das ist ein echtes Asset der VIVA Beyond.
Das Extra für alle: ein inkludierter Ausflug
Im Boutiquekonzept ist ein Ausflug inkludiert, das ist auf dieser Reise ein halber Tag auf den Spuren von Vincent van Gogh in Auvers-sur-Oise. Der Ort ist idyllisch und nutzt den 70-tägigen Aufenthalt, während dessen 80, zum Teil bekannte, Gemälde entstanden, auf das Beste. Man ist mit zwei Bussen und vier Guides unterwegs, die gut abgestimmt in unterschiedlicher Reihenfolge die Orte begehen.






Warum dieser Ausflug mit einigen Treppen im Schwierigkeitsgrad als „mässig“ klassifiziert wird, bleibt das Geheimnis der Ausflugsplanenden. Ich habe jedenfalls bei 30 Grad im Schatten auf Kirche, Friedhof und Absinth-Museum verzichtet.

Was das im Katalog angeprisene „VIVA Boutique-Geschenk“ auf der Kabine sein soll, hat sich mir nicht erschlossen, wenn damit nicht die Kataloge für zukünftige Reisen oder der Kugelschreiber oder die VIVA-übliche Wasserflasche (in Beyond-Design) gemeint sind.
Mein erstes Fazit
An VIVA mag ich das All-Inklusive-Konzept, das gute Essen und das frische, moderne Design sowie interessante Routen. Das neue Konzept der VIVA Beyond ist mir im Design zu „plüschig“ und beige-braun. Die Kabinen haben im Gegensatz zu den Suiten etwas von „zweiter Klasse“, etwas, dass ich so bisher nicht bei VIVA erlebt habe. Die Mängel im Service dürften beim postulierten Anspruch für diese neue Produktlinie selbst am Beginn so nicht auftreten. Auch wenn sich eine Crew einspielen muss – das Housekeeping und der Service brauchen gerade am Beginn mehr Aufmerksamkeit, die ich für den Preis einer solchen Reise schon erwarte.
Auf der VIVA One und der VIVA Two hat man Kabinen, die vergleichbar zu dem sind, was auf der VIVA Beyond als Suite zu einem höheren Preis angeboten wird. Zum Suitenservice im Boutiquekonzept soll ab 2027 auch ein kostenloser Transfer vom Flughafen zum Schiff gehören, das gilt dann hoffentlich nicht nur vom Flughafen, sondern auch vom/zum Hotel und Bahnhof.
Die Reise auf der Seine ist bisher nett, aber das Boutiquekonzept hat mich persönlich noch nicht wirklich überzeugt – nach den Berichten und Ankündigungen im Katalog hatte ich mehr erwartet und reise selbst auch in Zukunft lieber mit den „echten“ VIVA-Neubauten, die für mich – zumal als Alleinreisende – ein deutlich besseres Preis-Leistungsverhältnis darstellen, selbst wenn das MOMENTS Restaurant wirklich etwas Besonderes auf dem Fluss ist.



Hinterlasse einen Kommentar