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Diese Reise war bei ihrer Buchung die beste Kombination von New York, Transatlantikcrossing mit dem letzten Oceanliner, Kanada kennenlernen und zumindest einmal Bahnfahren statt Fliegen. Als Bonus gab es dazu die Feierlichkeiten zum 250.Unabhängigkeitstag vor New York. Und ganz viel Reisegeschichte und Gilded Age als Sahnehäubchen.

Die Reise

Die Reise startete an einem Freitagmorgen in aller Herrgottsfrühe. Die Woche war für mich ziemlich dicht, so vieles musste noch im Büro vor meinem Urlaub erledigt sein. Deshalb habe ich erst Donnerstag am späten Abend meinen Koffer packen können und hatte wenig Schlaf, bevor ich um kurz vor vier Uhr morgens zuhause ins Taxi gestiegen bin. Dieses Mal war die Schlange zum Einchecken am BA-Schalter im Terminal 1 des BER wieder länger, die an der Sicherheitskontrolle dafür deutlich kürzer, Shopping selbst eines Buches mangels geöffneter Geschäfte nicht möglich, aber die automatisierte Ausreise aus der EU  schnell durchlaufen und ich war so überpünktlich am Gate. Mein British Airways Flug startete pünktlich um 6.30 Uhr und der Flug nach Heathrow war ohne besondere Vorkommnisse.

BA 999 BER Richtung LHR

In LHR wurden die Reisenden wie bei Cunard mit gebuchtem Flug üblich beim Cafe Nero in Terminal 5 gesammelt, ich konnte noch ein paar schnelle Einkäufe bei Marks&Spencer wie sehr leckere Schokoladenkekse, die mich auf der Reise zu besondeten Momenten begleitet haben, machen und schon um 9 Uhr ging es über eine Zwischenstation am Terminal 2 mit dem Bus nach Southampton. Wir waren um 11.45 Uhr am Terminal, hatten mit dem Cunard Transport Priority und trotz Schlangen an der Sicherheitskontrolle war ich kurz nach zwölf auf dem Schiff. Wenn man auf die Queen Mary 2 kommt, muss man sich, zumal nach einer Nacht mit wenig Schlaf, erstmal orientieren. Zunächst mit dem Fahrstuhl auf Deck 7 zur Musterstation, im Kings Court  einen freien Tisch finden, etwas essen und langsam ankommen.

Erster Blick auf die Queen Mary 2 in Southampton

Für diese Reise hatte ich die Kabine 5111 mit „sheltered Balcony“ ziemlich mittschiffs zwischen den Treppenhäusern B und C gelegen, damit waren die wichtigsten Orte auch gut ohne Fahrstuhl erreichbar.

Kabine 5111
Endlich mal eine Begrüßung ohne für mich nutzlosen Sekt
Erster Sonnenuntergang auf See
Am zweiten Seetag gab es ein paar höhere Wellen, aber das merkt man auf der Queen Mary 2 nicht
Und schon am Abend war der Atlantik ruhiger
Am 5.Seetag wurde es zeitweise etwas neblig
Grauer Sonnenuntergang

Und nach sechs entspannten Seetagen macht es  Sinn, um 4.00 Uhr morgens wach zu sein, um die immer beeindruckende Einfahrt nach New York zu erleben.

Land in Sicht
Sonnenaufgang
https://de.wikipedia.org/wiki/Verrazzano-Narrows_Bridge
Die Höhe dieser Brücke war ein wesentlicher Faktor für den Bau der Queen Mary 2 und hat die Höhe des Schornsteins bestimmt
Erster Blick auf Manhattan
Blick vom Liegeplatz in Brooklyn auf Manhattan

Der 3.Juli war einer der Tage in denen New York unter einer Hitzeglocke lag. Mit über 40 Grad zu heiß, um lange durch die Stadt zu laufen. Da passte der Cunard Ausflug, der eine Fahrt im klimatisierten Bus mit einer Fahrt eines Circle-Line Schiffs auf dem Hudson bis zur Freiheitsstatue und zurück anbot.

https://www.911memorial.org/
Zum 4.Juli wird auch an ungewöhnlichen Orten geflaggt
https://de.wikipedia.org/wiki/Intrepid_Sea,_Air_%26_Space_Museum
https://de.wikipedia.org/wiki/Colgate-Uhr
Freiheitsstatue
Midtown
Rockefeller Center im WM-Modus
Schilderwald
NYFD

Der Abriß der alten Pennstation und modernen Zweckbebauung stattdessen hat wesentlich dazu beigetragen, dass  eine von Jackie Kennedy-Onassis angeführte Bürgerbewegung ein vergleichbares Schicksal von Grand Central Terminal verhindert hat.

Penn Station und Madison Square Garten
Eine Hochzeit wirft ihre Security voraus
Pier 57 https://en.wikipedia.org/wiki/Pier_57
https://de.wikipedia.org/wiki/Chelsea_Piers
Das mit den Hydranten, das man aus Filmen kennt, gibt es immer noch – zum Beispiel um das Auto in Red Hook bei 40 Grad im Schatten zu waschen
Die Segelschiffe sind auch schon vor der Parade am 4.Juli unterwegs
Gegen Abend braut sich ein Gewitter mit Regen zusammen
Manhattan im Regen
Eigentlich zu windig für Segelschiffe
Manhattan verschwindet kurz hinter der Regenwand
Und dann gibt es einen besonderen Sonnenuntergang

Am 3.Juli endete das 1.Segment der Reise mit einem grösseren Passagierwechsel. Nun wurde es für eine Woche sehr amerikanisch und alles war auf die Feiern zu 250 Jahre Unabhängigkeitserklärung ausgerichtet.

Kings Court
Carinthia Lounge
Türschmückung
Queensroom
Teatime

Viele der amerikanischen Passagiere nahmen das Thema Stars and Stripes auch in ihrer Kleidung auf. Die Queen Mary 2 hat am frühen Morgen des 4.Juli den Pier in Brooklyn verlassen und ist – als einziges nicht-militärisches Schiff – vor Manhattan auf Reede gegangen.

Ähnlich wie in Hamburg ist der letzte Oceanliner in New York ein gern gesehener Gast. Und so konnten die Passagiere den Flypast, die Schiffsparade und das abendliche Feuerwerk von Deck aus verfolgen.

So sah der Flypast aus der Luft aus

Das Macy-Feuerwerk wurde wegen des drohenden Gewitters eine halbe Stunde früher gestartet und war vom Deck aus bestens zu verfolgen.

Und mit dem Ende des Feuerwerks machte sich die Queen Mary auf den Weg nach Newport, der Sommerfrische der Reichen und Schönen seit dem Gilded Age.

Auf dem Weg nach Newport
Einfahrt nach Newport
Mit dem Tender an Land
Newport

Ich hatte für Newport einen Ausflug zu den Vanderbilt Mansions gebucht. Nach einigem Chaos bis ich tatsächlich an Land und im Bus zu meinem erst mittags startendem Ausflug war, ging es zunächst zum Marble House, dem Sommerhaus, das als Geburtstagsgeschenk zum 39.Geburtstag für Alva Vanderbilt gebaut wurde und das Gilded Age repräsentiert, in dem einige sehr Reiche in den USA sehr viel Geld ausgegeben haben, um u.a. europäische Schlösser mit zeitgemäßen Komfort als Zeichen des Wohlstandes zu imitieren. Da einige der grossen Vermögen wie das der Vanderbilt genauso schnell wieder zerronnen sind, wie sie aufgebaut wurden, hatten die Erben dieser Häuser ähnliche Probleme wie englische Adlige mit großen Schlössern und Titeln, aber wenig Geld zum Unterhalt. Ende des 19.Jahrhunderts war dann ein echter Adelstitel das ultimative Statussymbol des Gilded Age – Adlige heirateten die Dollarprinzessinnen. So auch die Tochter von Alva Vanderbilt, Consuelo https://de.wikipedia.org/wiki/Consuelo_Vanderbilt, die durch Heirat mit Charles Spencer-Churchill zur Duchess of Marlborough wurde, mit deren Mitgift dessen Schloss Blenham renoviert wurde. Auch nach ihrer Scheidung hielt sie Kontakt zu einigen Mitglieder der Familie, so zu ihrem Cousin Winston Churchill. Die Häuser in Newport wurden teilweise der Preservation Society of Newport County übergeben, die sich zur Aufgabe gemacht hat, 11  historische Häuser, die zwischen 1748 und 1902 erbaut wurden, zusammen mit ihren Gärten und der Inneneinrichtung zu erhalten und die sie der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Marble House https://www.newportmansions.org/gilded-age/history-of-newport-mansions/
Alva Vanderbilt https://de.wikipedia.org/wiki/Alva_Vanderbilt_Belmont war zunächst eine führende Dame der New Yorker Gesellschaft des Gilded Age, hat sich zu einer Zeit, wo das mit gesellschaftlicher Ächtung verbunden war scheiden lassen und ist in späteren Jahren zu einer der führendem Suffrageten geworden, die  Marble House 1914  für eine Konferenz zum Frauenwahlrecht zur Verfügung stellte https://www.bostonteapartyship.com/tea-blog/americas-suffragette-movement-began-with-a-tea-party
The Breakers, erbaut 1885 als Sommerhaus von Cornelius Vanderbilt https://de.wikipedia.org/wiki/The_Breakers
Kinderhaus

Die hochgelobte HBO-Fernsehserie „The Gilded Age“ https://de.wikipedia.org/wiki/The_Gilded_Age wurde teilweise in Marble House und The Breaker gedreht und ist u.a. bei Amazon Prime (entgeltpflichtig) zu finden.

Aufgrund der zahlreichen Verzögerungen im Verlaufe dieses Ausflugs kamen wir später als geplant zurück zum Hafen, es war aber noch eine längere Schlange vor uns, bis wir schließlich mit dem Tender zurück an Bord waren.

Newport Yachthafen
Mit dem letzten Tender zurück an Bord

Nun ging es mit einem Seetag ins „freundliche Amerika“, nach Halifax in Nova Scotia in Kanada.

Sonnenaufgang Richtung Halifax

Kanada und Halifax machten dem Spruch, dass Kanada das freundliche Amerika ist, alle Ehre. Die Einreise war deutlich entspannter als die in  die USA und am Morgen strahlte die Sonne. Es gab eine Freundlichkeit und Wertschätzung für alle, die sich entschieden haben, dieses Land zu besuchen oder dort zu leben, die sich durchaus von dem, was man gerade beim südlichen Nachbarn Kanadas erlebt, unterscheidet.

Wir hatten einen Overnight in Halifax und obwohl man hier auch gut ohne organisierten Ausflug unterwegs sein kann, habe ich mich der Einfachheit halber für zwei Ausflüge entschieden. Da der erste aber erst am Mittag startete habe ich den Vormittag genutzt und bin einfach ganz entspannt an der Waterfront entlang gebummelt.

Ruth Goldbloom, die treibende Kraft, dass es im Pier  21 das Einwanderungsmuseum gibt https://www.ctvnews.ca/atlantic/article/honouring-ruth-statue-of-immigration-museum-founder-coming-to-pier-21/
Einwanderer nach Kanada kamen früher meist mit Schiffen, die in Halifax am Pier 21 anlegten. Hier ist jetzt ein modernes Einwanderungsmuseum https://pier21.ca/
Denkmal für die freiwillige Arbeit von Frauen https://www.novascotiawomenshistory.ca/woman-waterfront-monument-design in Halifax im 2.Weltkrieg https://www.cbc.ca/news/monument-women-second-world-war-volunteer-entertainment-1.4403499
Der Gründer der Cunard, Samuel Cunard, ein Kanadier aus Halifax mit familiären Wurzeln in der Pfalz, startete 1840 das Unternehmen mit dem regulären Linienpostdienst zwischen Großbritanien und Amerika. Heute erinnert u.a. eine Statue an der Waterfront an ihn. https://cunardsteamshipsociety.com/2006/10/23/cunard-statue-halifax-nova-scotia/

Der erste Ausflug führte uns auf die Spuren von Cunard und der Titanic. Halifax war als nächster eisfreier Hafen von der Unglücksstelle, der Ort wohin Überlebende und tote Opfer des Schiffsuntergangs gebracht wurden. https://novascotia.com/de/blog/nova-scotia-titanic/

Auf dem Fairview-Friedhof wurden für die zunächst unidentifizierten Opfer Grabsteine gesetzt. Im Laufe der Zeit konnten einige der Opfer auch namentlich idenifiziert werden. Ein bewegender Ort, an dem uns unsere Guide die Geschichte einiger der Opfer berichtete.

https://www.encyclopedia-titanica.org/titanic-victim/alma-cornelia-palsson.html
https://en.wikipedia.org/wiki/Unknown_Child_(Titanic_victim)#:~:text=Sidney%20Leslie%20Goodwin%20(9%20September,known%20as%20the%20Unknown%20Child.
https://www.encyclopedia-titanica.org/titanic-victim/william-harrison.html
https://www.encyclopedia-titanica.org/the-real-jack-dawson.html

Im Anschluss an den Besuch auf dem Friedhof folgte ein Besuch im Maritime Museum of the Atlantik https://maritimemuseum.novascotia.ca/about. Hier sind u.a. Artefakte der Titantic in einem gut gemachten Ausstellungsteil genauso wie eine Sektion zur Geschichte von Cunard zu finden.

Nach einem Tag mit strahlendem Sonnenschein war es am nächsten Morgen neblig. Ich hatte einen Ausflug nach Peggys Cove https://de.wikipedia.org/wiki/Peggys_Cove gebucht und zum Glück war der Nebel auf dem Weg dorthin verschwunden.

Klassische Landschaft in Nova Scotia
Der Künster Edward deGarthe https://en.wikipedia.org/wiki/William_E._deGarthe hat seit den 70iger Jahre neben seinem Haus im Ort am Monument der Fischer gearbeitet
Das Fischerdorf Peggys Cove
Am Leuchtturm gibt es auch kanadische  Schotten
Der 1915 errichtete Leuchtturm Peggys Point https://de.wikipedia.org/wiki/Leuchtturm_Peggy%E2%80%99s_Point
https://shoppeggyscove.com/

Nach diesen zwei schönen Tagen in Kanada ging es wieder zurück nach New York, das wir nach einem Seetag erreicht haben – und dieses Mal mit einer wie immer spektakulären, aber anderen Einfahrt nach New York.

Bei diesem Tag in New York hatte ich mich für einen Ausflug „Insights of New York mit Top of the Rocks“ entschieden, es war sonnig, aber keine brütende Hitze wie eine Woche zuvor und wir sind mit als Erste an diesem Tag von Bord gegangen und fast als letzte zurückgekommen. Die Einreise in die USA war für uns Transitgäste und so früh am Morgen unkompliziert.

https://cruise.nyc/brooklyn-terminal
Sozialer Wohnungsbau in NYC https://en.wikipedia.org/wiki/Amsterdam_Houses
Lincoln Center https://de.wikipedia.org/wiki/Lincoln_Center
Das Dakota am Central Park
Strawberry Fields https://www.centralparknyc.org/locations/strawberry-fields
Eichhörnchen im Central Park
Die Felsen, auf denen New York steht, sind im Central Park gut zu sehen
Central Park
Rockefeller Center
Es gab lange Schlangen um bei Öffnung der Gatter gute Plätze fürs Public Viewing zu bekommen
https://www.rockefellercenter.com/tickets/top-of-the-rock-observation-deck

Hightlight – im wahrsten Sinne des Wortes – des Tages war der Besuch des Observation Deck auf dem Rockefeller Center bei bestem Wetter und weitem Blick über Manhattan.

Man kann auch ein sehr ikonisches Foto nachstellen
Blick Richtung Columbus Circle

Die nächste Station war die Grand Central Station – heute ein Bahnhof für verschiedene Regionalbahnen, aber mittlerweile auch restauriert und ein nationales Baudenkmal.

Grand Central Station mit MetLife-Building
https://de.wikipedia.org/wiki/Grand_Central_Terminal
https://www.theattic.space/home-page-blogs/2022/9/21/jackie-saves-grand-central

Nach der Erkundung des Bahnhofs und einer Mittagspause im Foodcourt ging es zum letzten Stop des Tages – dem 9/11-Memorial.

https://de.wikipedia.org/wiki/National_September_11_Memorial_and_Museum
https://de.wikipedia.org/wiki/World_Trade_Center_(PATH-Station)

Und nach diesem vollen Tag ging es zurück zum Schiff und die Queen Mary 2 machte sich auf den Weg zurück nach Europa.

Nach sechs entspannten Seetagen war die Queen Mary 2 wieder in Europa und hat in Southampton festgemacht.

Sonnenaufgang vor Southampton

Diesen Tag habe ich für einen Ausflug zu einem Ort von meiner Bucketlist, Windsor, genutzt. Auch hier sind wir mit als erste vom Schiff gegangen und erst kurz vor der Abfahrt wieder zurückgekommen.

https://en.wikipedia.org/wiki/Windsor_%26_Eton_Central_railway_station

Man erreicht nach kurzem Fussweg vom Bahnhof, hinter dem auch der Busparkplatz liegt, das Schloss. Fotografieren ist in den beeindruckenden Innenräumen, den Stateappartments, der St.Georgshall und beim Puppenhaus von Queen Mary nicht erlaubt, aber es ist beeindruckend.

https://www.rct.uk/visit/windsor-castle
Der Venusgarten ist auch ein Ort für Insekten
https://www.rct.uk/event/the-venus-garden-07-2026
Gestrickte Box-Toppers
Kleiner Wachwechsel
https://www.stgeorges-windsor.org/

Zurück in Southampton nach diesem Besuch bei Königs ging es mit einem Seetag zum Ende meiner Reise in Hamburg.

Letzter Sonnenuntergang dieser Reise
Auf der Elbe Richtung Hamburg
Morgens in Steinwerder

Die Queen Mary 2 lief am 19.7.2004 zum ersten Mal Hamburg an. 22 Jahre später war ihr Einlauf nach Hamburg dem NDR immer noch eine Berichterstattung wert.

Hamburg hat uns mit trübem Wetter begrüsst. Ich habe noch in Ruhe gefrühstückt – es gab sogar Eggs Benedikt – und bin dann entspannt mit meinem Handgepäck von Bord gegangen (meinen Koffer lasse ich separat mit TEFRA https://www.tefra-gepaeckservice.de/ reisen), musste als EU-Bürgerin nur kurz an der Einreisekontrolle warten und bin mit dem Taxi in 20 Minuten zum Hauptbahnhof gefahren.

Ciao bis bald

Zum Glück hatte ich für die Bahnfahrt nach Berlin rechtzeitig einen Platz reserviert, habe das Leben in vollen Zügen genossen und war mittags wieder  wieder zuhause – am Sonntag drei Wochen nach meinem Flug nach London.

Das Schiff

Dokumentation Queen Mary 2

Wenn man auf der Queen Mary 2 ist, dann sollte man immer den Schiffsplan dabei haben und braucht am Anfang länger sich zu orientieren. Dabei orientiert man sich am besten an den Treppenhäusern A-D. Es ist aber auch durchaus nett, weil man das Schiff und seine Orte entdecken kann (und muss) – und dazu sind die Seetage eines Transatlantik Crossing bestens geeignet.

Die Queen Mary 2 ist kein Kreuzfahrtschiff, sondern ein Oceanliner in der Tradition der grossen Liner mit vielen Bezügen zu ihren Vorgängerinnen. Das wurde in verschiedenen Vorträgen, natürlich besonders in denen von Stephen Payne, aber auch Ivo Mechtel deutlich.

Die Queen Mary 2 ist das letzte RMS – RMS steht für Royal Mail Ship (auch Royal Mail Steamer). Es ist ein offizielles britisches Präfix, das Schiffe tragen, die vertraglich Post für die britische Royal Mail befördern
Grand Lobby
Britannia Restaurant
Blick aus der Bibliothek

Die Insights

Die Insights auf dieser Reise passten gut und haben zusammen mit meinen Erkundungen an Land die Geschichte der Transatlantikliner, von Cunard, aber auch New York und das Gilded Age in meinem Kopf zusammen gebracht. Stephen Payne zu erleben ist großartig, nicht nur wenn er über den Bau der Queen Mary 2 berichtet. Die Vorträge von Ivo Mechtel, Jayne Gold und Seth Gospin waren sowohl einzeln als auch insgesamt eine Bereicherung, weil sie verschiedene Teile zu einem Gesamtbild in meinem Kopf zusammengebracht haben.

Das historische Edutainment von Kate Williams ist live noch beeindruckender als im Fernsehen. Das ich Brian Wood https://www.brianwoodmc.co.uk/ kennenlernen konnte, fand ich beeindruckend, auch weil er trotz schwieriger Erfahrungen positiv bleibt anstatt wie andere einen Opferstatus zu zelebrieren. Und auch der Vortrag von Nikki Bmara https://nikkibhamra.com/about/ war  spannend.

Was auf der Queen Mary 2 anders als auf der Queen Victoria ist

Da ich binnen eines Vierteljahres jeweils länger als drei Wochen sowohl auf der Queen Victoria als auch der Queen Mary 2 war, komme ich nicht umhin, die beiden Schiffe zu vergleichen – nicht als Schiff selbst, denn man den letzten Oceanliner nicht wirklich mit einem Kreuzfahrtschiff vergleichen – im Sinne wie längere Reisen auf zwei Schiffen einer traditionellen Reederei wie Cunard von mir erlebt wurden und wie die Offiziere durch ihre Managemententscheidungen mein persönliches Wohlfühlen unterstützt haben (oder auch nicht).

Das erste, was mir aufgefallen ist, ist die jeweils andere  Atmosphäre und ich habe überlegt, wie sich dieses Gefühl herleitet.

Sind es die unterschiedlichen Gruppen von Passagieren? Die Tatsache, dass bei einem Transatlantik-Crossing viel mehr US-Amerikaner und viel mehr jüngere Passagiere an Bord sind, die die Fahrt eher als besondere Form des Transportes nutzen und selbst am Galaabend in sehr normaler Kleidung auf dem Schiff unterwegs sind neben den vielen Passagieren, die bei dieser Reise in Reminiszenz zu glorreichen Zeiten über das Schiff flanieren? Oder die deutlich lautere und hektischere Atmosphäre mit überwiegend us-amerikanischen Passagieren in der Woche von New York  nach Halifax und zurück?

Ist es der Service, der mit etwas weniger Herzlichkeit und Wärme präsentiert wird? Die Tatsache, dass beim Dinner niemand mit der grossen Pfeffermühle frischen Pfeffer anbietet? Die Wahrnehmung, dass bis auf einige positive Ausnahmen die Kellner ihren Job machen, aber nicht viel mehr?

Ist es die Tatsache, dass bei den Offizieren deutlich weniger Frauen dabei sind und auf der Übersicht alle etwas grimmig schauen? Und das obwohl alle freundlich grüßen, wenn man ihnen auf dem Schiff begegnet, selbst der Kapitän.

Und was ist konkret anders?

Die Weinkarte auf der Queen Victoria ist umfangreich – die auf der Queen Mary 2 ist kürzer und dafür übersichtlicher. Ich habe aber auch auf der Queen Mary für mich gut passenden Wein in Flaschen gefunden.

The Verandah liegt auf der Queen Victoria auf Deck 2, ist (in positivem Sinne) kuschelig und hat Ausblick aufs Meer, auf der Queen Mary 2 liegt es auf Deck 8 am Heck, allerdings ohne Ausblick, da dort die Grills Terrace ist und in eher klarem Ambiente. Der Service ist in beiden exzellent, hat aber auf der Queen Victoria zudem noch einen Touch mehr persönliche Freundlichkeit.

Statt Geld im Lions Pub für einen durch Michel Roux „überarbeiteten“ Burger zu bezahlen, bekommt man an Bord auch ordentliche, im Reisepreis inkludierte Burger (genauso wie Hot Dogs oder Bratwürste), auf der Queen Anne an der Pavillion Bar, auf der Queen Victoria an der Lido Bar und auf der Queen Mary 2 in der Chefs Gallery. Dort ist allerdings das Zeitfenster (in der Regel zwei Stunden um die Mittagszeit) deutlich kleiner und ist es – im Gegensatz zu den beiden anderen Schiffen – deutlich schwieriger ein Getränk dazu zu ordern. Wenn man einen Waiter entdeckt und bei ihm bestellt hat, dauert es ziemlich lange, bis das Getränk dann auch da ist. Das hat bei mir solange gedauert, dass ich schon aufgegessen hatte, bis das Getränk wirklich da war.

Auf beiden Reisen habe ich zu Beginn einen Brief des World Club auf der Kabine gehabt, welche Vorteile ich auf Grund meines Platinum-Status auf der Reise habe. Der auf der Queen Victoria war etwas länger und hat vor allem auch besser erklärt, wie sich das Internet-Guthaben auf die verschiedenen Segmente der Reise verteilt. Das ist für mich der hilfreichste Vorteil: das Internetguthaben. Für diese Reise mit ihren drei Segmenten hatte ich so immer die Chance, an zwei Tagen ins Netz zu gehen. Trotzdem habe ich viel Digital Detox genossen und das freie Internetguthaben auf dieser Reise nicht voll ausgeschöpft.

Auf der Queen Victoria und der Queen Anne bekommt man am Beginn des 1.Galaabends der Reise ein Glas Sekt „on behalf of the Captain“, leider ohne alkoholfreie Alternative, wenn man wie ich auf den Sekt verzichtet. Das dieser Sekt auf der Queen Mary 2 auf den  Galaabenden der verschiedenen Segmente  angeboten wird, ist das eine. Das andere ist, dass er erst am Ende des Essens angeboten wird. Klassisch bietet man einen trockenen Sekt (oder Champagner) vor dem 1.Gang eines Menüs als Aperitif an, um die Geschmacksknopsen zu stimulieren, ein milder oder halbtrockener Sekt kann auch zum Dessert gereicht werden. Aber vielleicht ist das eine Methode, um die Menge des tatsächlich auf Kosten des Hauses konsumierten Sektes zu verringern, denn das Angebot wurde weit öfter als ich es von der Queen Victoria oder der Queen Anne kenne abgelehnt.

Auf längeren Reisen wechselt man durch verschiedene Zeitzonen. Auf der Queen Victoria fand ich das sehr gut geregelt: wurde der kommende Tag eine Stunde länger, dann stellte man nachts die Uhr um (also beim Schlafengehen). Wurde der Tag kürzer, dann fand das mittags mit der Ansprache des Kapitäns statt. Auf der Queen Mary 2 wurde die Zeit im 2.Segment immer nachts in beide Richtungen gewechselt, aber zum Glück wurde auf dem Transatlantikteil von New York nach Southampton auch der Tag  mittags um eine Stunde verkürzt.

Sowohl auf der Queen Mary 2 als auch der Queen Victoria gibt es kein so komfortables TV-System wie auf der Queen Anne. Dort kann man die Insights einzeln anwählen, auf den beiden anderen Schiffen laufen die früheren, aufgezeichneten Insights in einer Endlosschleife, so dass man Glück (oder Geduld) haben muss, um den gewünschten Beitrag zu sehen. Auf der Queen Victoria gibt es aber auch zusätzlich die Möglichkeit, den laufenden Vortrag im Kabinenfernsehen zu verfolgen, auf der Queen Anne werden gut nachgefragte Vorträge zur Entlastung des Royal Court Theatre auch direkt übertragen. Die Option fehlt auf der Queen Mary 2. Und die deutschsprachigen Vorträge von Ivo Mechtel waren leider nicht im Nachgang verfügbar.

Sowohl auf der Queen Mary 2 als auch der Queen Victoria gibt es eine grosse Bibliothek. Die auf der Queen Mary 2 ist die größte ihrer Art und darüber hinaus auch besser sortiert und aktueller als die auf der Queen Victoria. Das Büchertauschregal der Queen Mary 2  ist zwar beschriftet, aber man muss es finden, das war auf der Queen Victoria einfacher zu finden. Danke für den Hinweis an die beiden zauberhaften Ladies, die zwischen New York und Southampton am Tisch neben mir sassen.

Büchertauschregal der Queen Mary 2

Cunard lädt seine Gäste – je nach Loyalty-Status zu einer „World Club“- und ggf. „Senior Officiers“-Party ein. Es gibt ein Getränk auf Kosten des Hauses und eine kleine Vorstellung der Offiziere. Die Senior Officiers Party ist kleiner, da weniger Gäste einen entsprechenden Status (mindstens Platinum) haben. Beide Veranstaltungen auf der Queen Victoria waren feine Partys in der Zeit vor dem Dinner, bei denen sich – Offiziere wie Gäste – alle freuten, teilzunehmen. Die Senior Offiziers Party auf der Queen Mary 2 fand in der Mittagszeit im G32 am letzten Seetag vor Southampton statt. Keine Rede, keine Begrüssung, kein Kapitän. Es gab Getränke aufs Haus, die Gäste sassen und warteten (wie auf Godot), ob etwas passiert und ein oder zwei weißgewandete Personen versuchten mit einigen der Sitzenden ins Gespräch zu kommen. Ich habe bei all meinen Cunard Reisen noch nie eine derartig lieblose Veranstaltung für die Stammgäste erlebt.

Sowohl die Queen Mary 2 (Herbst 2027) als auch die Queen Victoria (Herbst 2026) bekommen vor dem Treffen der vier Queens im Mai 2028 in Liverpool ein Refit und gehen dafür einige Wochen ins Dock.

Chris Frame zum angekündigten Refit der Queen Victoria

Und so besonders die Queen Mary 2 als Oceanliner ist, zumal wenn man ihre Besonderheiten vom Schiffsdesigner Stephen Payne persönlich erklärt bekommt und besonders gerade diese Reise mit dem 4.Juli vor New York war – für mich bleibt die Queen Victoria meine absolute Lieblingsqueen, auch und besonders, weil dort die ganze Besatzung den Anspruch von White Star Service für alle wirklich lebt – und weil ich gerne weit mehr als nur auf der Transatlantik-Route auf See unterwegs bin.

Was mir gefallen hat

1. Mein Kabinensteward Alan war wunderbar. Jojo von Voyages Sales war zauberhaft. Die Chef-Sommeliere Khay Yasuda war großartig. Mein bisher bester Sommelier an Bord von Cunard war David Begg im The Verandah.

2.Am Ende des letzten Gala-Abend des 1. Segments der Reise gab es eine Parade im Britannia-Restaurant, bei der alle Köche und das Servicepersonal sich ihren Beifall von den Passagieren abholen konnten.

3. Es gab es eine gute Übersicht über das Programm der verschiedenen Sender im Bordfernsehen. Ich finde zwar schade, dass es im Vergleich zur Queen Victoria weniger Radiokanäle (und nicht meinen Lieblingskanal Jazz) gibt, aber immerhin gibt es eine Übersicht, was wann wo läuft.

4. Die Organisation der Einreiseformalitäten in Halifax nach Kanada und in Southampton in das Vereinigte Königreich war sehr angenehm. Für die Einreise nach Kanada musste man ein Formular ausfüllen und an Bord zwei Tage vor Halifax abgeben. Dann konnte man das Schiff wie sonst verlassen und musste bei der Rückkehr nur eine ID mit Foto (z.B. einen Personalausweis) vorzeigen und konnte zurück aufs Schiff. Für die Einreise ins Vereinigte Königreich reiste ab New York ein britischer Grenzbeamter mit. Es gab deckweise die Bitte, zu festgelegten Zeiten auf Deck 3 im Britannia-Restaurant vorbei zu kommen. Dort wurde die Cruisecard gescannt und der Paß mit dem ETA vom britischen Beamten geprüft. Das hat bei mir samt Schlangestehen rund 5 Minuten gedauert.

Was ich mir anders wünsche

1. Generell wünsche ich mir (wie immer) bei Cunard auf der Kabine – so wie in den Grills – eine leichte Decke für tagsüber, einen langen Schuhlöffel und eine Kleiderbürste.

2. Die Kabine 5110 ist sauber und die Möbel sind grundsätzlich gepflegt, aber man merkt das Alter des Schiffes. Es gibt zwei us-amerikanische und zwei britische Steckdosen am Schreibtisch, mehr nicht. Eine ist bei mir durch den Wasseekocher belegt, bei den beiden anderen  kommt mein Universaladapter zum Einsatz. Da es auch keine Steckdosen am Bett gibt, hilft hier nur eine Powerbank. Am Schrank, der genug Stauraum mit Schubladen und Kleiderstangen bietet, schliessen eine Tür und eine Schublade nicht mehr bündig. Die Balkontür  ist wiederum schwer zu schliessen und sollte abgeschlossen sein, um sicher geschlossen zu sein. Im Bad gibt es eine grössere Dusche, aber noch mit Duschvorhang. Der kurze Wasserauslass am Handwaschbecken ist zu weit vom Beckenrand montiert, so dass man beim Händewaschen immer schauen muss, dass die Hände gut unters Wasser zu bekommen. Alles  Kleinigkeiten, aber wenn das beim anstehenden Refit modernisiert wird, wäre das gut.

3. Auf den Angaben für manche Aktivitäten – sei es bei Specitality Dinning oder bei anderen Aktitivitäten, die man über die App reservieren bzw. buchen kann, steht „additional cost“ ohne diese zu spezifizieren. Im Sinne der Transparenz sollte es doch auch möglich sein, diese Kosten anzugeben. Und es gibt unter „Entertainment“ nicht weiter spezifizierte kostenpflichtige Angebote, die man nicht weiter verifizieren kann, weil im Tagesprogramm dazu keine weiteren Angaben zu finden sind.

Die VR-Erfahrung kostet 20 $ und es gibt verschiedene Varianten.

4. Das Timing der Insights war auf der Reise nicht immer perfekt. Der Start der verschiedenen Lectures im 1.Segment war meist erst um 11 Uhr statt wie sonst meist um 10 Uhr. Es gab unnötige Überschneidungen, z.B. von Kate Williams und Jayne Gold und am letzten Tag vor New York waren vier Insights nacheinander (während am ersten Seetag dieses Segments nur zwei angesetzt waren), die keine Zeit für Lunch ließen und direkt vor der Teatime endeten. Die an sich wunderbaren drei Insights am 1.Seetag im 2.Segment starteten auch erst um 11 Uhr und so war ich – ohne Lunch – so früh bei der Teatime, dass ich noch vor dem Eindecken da war und dafür einen der wenigen 2-er Tische direkt an der Tanzfläche bekommen habe. Und im 3.Segment war die zeitgleiche Durchführung des Vortrags von Stephen Payne, dem Chefdesigner der Queen Mary II mit einem der wirklich guten Vorträge von Ivo Mechtel einfach unerfreulich.

5. Wenn man im Britannia-Restaurant für Frühstück und Lunch ist,  wird man vom Maitre D‘ immer gefragt, ob man „happy to share“ sei, gerade wenn man alleine ist. Aus verschiedenen Gründen bin ich „unhappy to share“ und will bei einer mehrwöchigen Reise nicht jedesmal gefragt werden. Es gibt Menschen, die shared tables schätzen, gerade als Alleinreisende,  um neue Menschen kennenzulernen. Mir persönlich ist es zu anstengend und nach einigen schlechten Erfahrungen auf meinen ersten Reisen verzichte ich gerne auf diese Art Tischgespräche an grossen Tischen, habe aber einige sehr nette Gespräche mit denen am Tisch neben mir geführt, ohne Stress und der beiderseitigen Möglichkeit, es auch höflich wieder zu beenden.

Ich habe bei dieser Reise auch beobachtet, dass es eher weniger Nachfrage nach dieser Variante gab und grosse Tische mit drei bis vier Personen besetzt waren, zum Teil mit „Alleinunterhaltern“, denen niemand am Tisch entkommen konnte. Man hatte deshalb auch das Gefühl, dass deshalb mehr Gäste an diese Tische gebracht werden sollten anstatt auf den Trend zu reagieren und spätestens beim Refit auch bei den Tischen mehr 2-er Tische, die auch zu grösseren für Gruppen zusammengestellt werden könnten, statt halbleerer runder 8-er Tische zu planen. Und auch wenn der Kollege im Britannia-Restaurant sich immerhin nach zwei Wochen gemerkt hatte, dass ich einen „private table“ will, gab es nie einen am Fenster, sondern immer solche in den Gängen.

Bei meinen Reisen habe ich – auch bei Cunard – zwei grundsätzliche Typen von Maitre d‘ erlebt: solche, die einfach respektieren, wenn man lieber alleine an einem 2-er Tisch sitzt und einer auch schöne Tische zuweisen und solche, die einer erst auf Nachfrage etwas unwillig einen (meist weniger schönen) 2-er Tisch geben und unterschwellig den Eindruck vermitteln, dass das für Alleinreisende eigentlich die Abweichung von der Norm ist. Wer Alleinreisende, die pro Person in der Regel erheblich mehr zahlen als Paare oder Familien, ernst nimmt, der schult seine Maitre D‘ so, dass nur der erste Typ präsent ist. Bei dieser Reise war das leider nicht der Fall.

6. Nachdem ich auf meiner ersten Cunard-Reise 2018 einmal den Kaffee probiert habe, der im Britannia-Restaurant ausgeschenkt wird, bin ich zum Tee gewechselt und trinke seitdem an Bord der Queens Tee. Der Twinnings English Breakfast passt für mich und ich trinke ihn an Bord mit Milch und ohne Zucker. Alle paar Jahre probiere ich dann (bisher erfolglos) ob es mittlerweile (für mich) trinkbaren Kaffee an Bord gibt. Auf dieser Reise habe ich dem Americano im Sir Samuels eine Chance gegeben. 

Fazit: Das (im Reisepreis inkludierte) Eclair ist gut, der (extra zu bezahlende) Americano ist trinkbar, aber der Tee ist einfach besser

7. Der Föhn auf den Cunard-Kabinen ist eine Strafe – die man allerdings auch bekäme, wenn man seinen eigenen Haartrockner mitbrächte. Dieses Mal war es ein in der Schublade eingebauter 1.400 Watt-Föhn, bei dem während des (zu langen) Trocknungsprozesses auch noch einen Knopf drücken muss.

8. Tender-Ausschiffungen sind immer eine Herausforderung für jedes Schiff. Üblicherweise gibt es „Fast Lanes“ für Passagiere mit höherem Loyalty-Status und für die mit einem über die Reederei gebuchten Ausflug. Nicht so auf dieser Reise. Ich war vor der im Programm angegebenen Zeit am Treffpunkt im Royal Court Theatre und habe dort eine Stunde gewartet, bis mein Tender aufgerufen wurde. Das Personal war nicht auskunftsfähig, was das für das Erreichen meines Ausfluges an Land bedeutet. An Land war auch – mir sonst von Cunard nicht bekannte – eine gewisse Unorganisiertheit zu bemerken, das Handling an Land war offenbar – anders als ich es sonst von Cunard kenne,  wo das Shore Excursions Team an Land sehr präsent ist –  komplett der örtlichen Agentur übergeben.

Aber all das Chaos hat sich letztlich doch zum Guten gefügt: ich habe meinen Ausflug (zu den Vanderbilt Mansions) gemacht, leider aufgrund der verspäteten Abfahrt etwas gehetzt in Marble House, und als wir nach 17 Uhr – dem angekündigten Zeitpunkt des letzten Tenders – wieder im Hafen waren, wartete noch eine lange Schlange auf die Rückkehr zum Schiff. Es waren noch drei Tenderboote nötig, die zum Glück schnell kamen, bis alle ihren Platz zurück zum Schiff hatten. Ich bin mit dem letzen Tender kurz vor 18 Uhr zurück am Schiff gewesen und brauchte nach der ganzen Hektik noch den ganzen Abend ein wenig Zeit, um wieder in den Normalmodus zu kommen.

Warten auf den richtigen Ausflug in Newport

9. In Halifax wurde im Terminal ein erstes Mal kontrolliert – man musste die Schiffskarte und eine „Govermental ID“ mit Foto (z.B. ein Personalausweis) zeigen. Das lief selbst bei längeren Schlangen schnell und reibungslos. Dann musste man aber Schlange stehen, weil offenbar die Cunard-Security auf dem Schiff personell unterbesetzt war und man nur eine Kontrolllinie betrieben hat, obwohl zwei aufgebaut waren. Könnte man mit dem Anspruch von White Star Service schon besser machen.

10. Das Menschen in Bussen oder an öffentlichen Orten auf dem Schiff laut telefonieren, mit dem Handy spielen oder facetimen müssen, damit alle um sie herum mithören, ist eine neue Form von schlechtem Benehmen, die altersunabhängig ist und mehr als nervt. Das wird noch gesteigert, wenn mitten im Vortrag das Telefon von jemandem in der Nähe mehrfach laut klingelt. Vielleicht sollte man noch jedem erklären, wie man sein Handy auf lautlos stellt.

11. Wenn man an Bord ohne Getränkepaket Getränke „as you go“ bestellt, fällt dafür eine Servicegebühr an. Ohne für mich ersichtlichen Grund wurde diese zum Jahreswechsel 25/26 von 15 auf 18% ethöht. Zumindest auf dieser Reise kann ich nicht feststellen, dass der Service der Getränke-Kellner besser geworden ist, eher im Gegenteil. Und während ich früher bei guter Leistung gerne einen „Extra-Tip“ gegeben habe, verzichte ich dann darauf eher darauf. Generell finde ich die amerikanische Art, statt bessere Löhne zu zahlen, den Servicekräften über quasi-obligatorische Trinkgelder einen Teil ihres Einkommen zu geben und damit weitere Kosten für die Passagiere während der Reise zu generieren eh unerfreulich. Zudem verlagert es einen Teil des Risikos der Auslastung auf die (schlecht bezahlte)  Crew, während die Passagiere mit Preisen gelockt werden, die eben nicht der Endpreis sind. Deshalb schätze ich Reedereien, die lieber gleich alle besser zahlen – und gebe bei guter Leistung auch gerne ein Trinkgeld. 

12. Die Speisekarte wird in 14-tägigem Turnus wiederholt. Das fällt bei einer dreiwöchigen Reise auf. Etwas mehr Varianz während der gesamten Reise wäre schon schön.

13. Cunard hat eigentlich einen Dresscode: Smart Attire und Gala Attire, der ab 18 Uhr in den meisten Restaurant gilt. Die meisten halten sich dran.

Cunard Dresscode erklärt

Aber es gibt immer Männer in meist karierten Hemden ohne Jacket und Schlips. Hier wünsche ich mir, dass solche Gäste freundlich auf die anderen Möglichkeiten für das Abendessen verwiesen werden.

Galaabend im Karohemd ohne Sakko und Krawatte

Das war besonders deutlich auf dem Segment mit der Kurzreise zwischen Southampton und Hamburg. Da sassen dann viele britische Männer jeden Alters mit Jacket, weißem Hemd und Fliege im Britannia-Restaurant – und einige deutschsprachige Männer mit offenem Hemdkragen. Da hilft offenbar nicht, dass der Dresscode im Tagesprogramm – in deutsch und in  Englisch – gut erklärt wird.

14. Im Kings Court ist gerade an Tagen mit Gästewechsel offenbar nicht mitgedacht, dass Transitgäste, die später vom Landgang bzw. Ausflügen zurückkommen, auch Hunger haben. Das Buffetangebot ist ziemlich ausgedünnt und es gibt vor allem kein sauberes Geschirr mehr.

15. Die Suppen beim Dinner im Britannia-Restaurant haben – obwohl sie jeweils andere Bestandteile haben – eine geringe Varianz sowohl im Hinblick auf die Präsentation als auch auf den Geschmack. Da ist noch Luft nach oben.

Suppe Typ Consomme
Suppe mit unterschiedlicher Farbe, aber meist ähnlichem Geschmack

16. In Hamburg bietet Cunard ab Steinwerder einen Shuttle zum Hauptbahnhof für 20 $ an. Das Taxi kommt auf etwas über 30 €, ist also schon für 2 Reisende günstiger. Und es hat den Vorteil der grösseren Flexibilität. Vielleicht sollte Cunard die Preisgestaltung überprüfen, den Shuttle günstiger machen und hätte dann vermutlich eine bessere Auslastung.

Was ich auf dieser Reise u.a. gelesen habe

Das ist das eine Buch, was perfekt zu dieser Reise mit den Häfen New York und Newport passt. Und die Geschichte darüber, wie schnell selbst grosse Vermögen verschwinden können
Dieser britische Roman aus den 80uger Jahren über zwei rivalisierende Familien ist erst jetzt in deutscher Übersetzung erschienen. Er wurde in einer Fernsehserie verarbeitet, die zum neuen Trend von Dynastieserien (Dynastycore) mittlerweile in der 3.Staffel erschienen ist.  Aber man es auch einfach lesen und stellt fest, dass es auch so genug interessante Verwicklungen (und wechselnde Liebschaften) gibt
Eine entspannte Urlaubsbegleitung mit dem neuesten Sarah Pauli-Krimi
Der Journalist Andy Webb beschreibt mit welchen Methoden Martin Bashir es geschafft hat, Diana Princess of Wales zum legendären Panorama-Interview zu bewegen, und wer davon profitiert hat – und wer teilweise erst 25 Jahre später  zumindest eine Entschädigung oder Entschuldigung bekommen hat (und wer nicht)
Die Krimis von Val McDermid sind immer auch eine Geschichte der jüngeren schottischen Geschichte. Bei diesem geht es um die Zeit des schottischen Unabhängigkeitsreferendums
Die Krimis Nero Wolfe und Archie Goodwin sind einfach nett, um mit Ihnen beim Lesen durch New York zu streifen

Tipps

1. Man kann sich für das Frühstück im Britannia-Restaurant in einer „virtual queue“ vorab anmelden und steht an bei der Ankunft selten in einer kürzeren Schlange als die „walk in-Guests“. Das lohnt nur an Wechseltagen (also auf dieser Reise in New York und Southampton), wenn viele gleichzeitig frühstücken wollen.

2. Während der Reise gibt es regelmäßig Aktionen, bei denen z.B. Cunard Logo-Artikel 20% billiger verkauft werden. Wenn man also eh vorhat, so etwas zu kaufen, sollte man das an diesen Tagen tun.

3. Im Verandah wird regelmäßig ein  Lunch&Learn angeboten – vier Gänge mit acht korrespondieren Weinen, die von verschiedenen Sommeliers erklärt werden. Wenn man bedenkt, dass ein Abendessen mit drei Gängen ohne Getränke auch auf 70 $ kommt, ist das ein gutes Preis-Leistungsverhältnis für ein gutes, besonderes Essen.

Regelmäßige Informationen

1.Das Getränkepaket (Premium) hätte mich für diese Reise 1.759 $  gekostet. Ich habe „as you go“ für Getränke 209.94 $ bezahlt – das Getränkepaket hätte sich wieder nicht gerechnet.

2.Das britische StartUp Cruise Globe  https://thecruiseglobe.com/ bietet (kostenfrei) die Möglichkeit, mit Echtdaten in der App alle eigenen Kreuzfahrten ab 2004 zu dokumentieren. Man kann für jede Reise auch Karten in verschiedenen Größen kaufen. Es ist eine Reedereiunabhängige gute Möglichkeit, um besondere Reiseerinnerungen zu sammeln. Das sieht für diese Reise zum Beispiel so aus:

http://Follow my cruise on The Cruise Globe:
https://thecruiseglobe.com/cruise/lhwywvo2jeg6/cunard-queen-mary-2-2026-06-26/lmv6vxz5ntfecn8d

Eine Antwort zu „#Cunard #QM2 #QueenMary2 #TA #Transatlantikcrossing #4thJuly250 #Sail4th250 #Oceanliner #NYC #NewYork #Newport #Halifax #Southampton #Windsor #Hamburg #MappedMyCruise“

  1. Avatar von Siegfried Vogelsang
    Siegfried Vogelsang

    Liebe Margrit,

    danke für die Lektüre; es ist sehr spannend. Die vielen Dimensionen einer Kreuzfahrt/Ocean Liner hatte ich noch nicht im Blick.

    Siegfried

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