Seit ich 2018 meine erste Reise mit der Queen Elizabeth gemacht habe, reise ich gerne mit Cunard, sogar so viel, das ich mittlerweile über 150 Tage an Bord war und ich statt „rot“ fürs erste Mal ein dunkles Grau für den Diamond-Status im World Club auf meiner Bordkarte aufgedruckt habe. Ich war seitdem auf allen vier Queens unterwegs, kenne Außenkabinen genauso wie Balkonkabinen, und das Angebot vom Britannia-Restaurant, dem Britannia Club und den Princess Grills. Die Unterschiede zwischen den Schiffen habe ich erkundet und auch wie unterschiedlich die Ausgestaltung des Cunard-Konzeptes auf den verschiedenen Reisen ist. Das Treffen der 4 Queens in Liverpool ist schon gebucht und auch in Zukunft schaue ich, welche interessanten Reisen es mit Cunard für mich gibt, bei denen ich das finde, was für mich das Schöne an Cunard ist, von der Teatime über die Insights bis zur Britishness der Reise. Auf meiner Transatlantik-Reise zum 250-jährigen Jubiläum des us-amerikanischen Unabhängigkeitstag mit einem Overnight in Halifax, dem Geburtsort von Samuel Cunard, waren viele gute Insights samt denen von Stephen Payne, dem Schiffsarchitekten der Queen Mary 2, die die Geschichte der Kreuzfahrt und die über 185-jährige Geschichte von Cunard eindrucksvoll präsentiert haben und die vielen historischen Bezüge auf den aktuellen Schiffen sehr gut herausgearbeitet haben.

Über meine Reisen seit 2023 habe ich gebloggt und diese auf einer eigenen Seite zusammengefasst:

Und ich beobachte über die Jahre, dass die Werbungsinszenierung von Cunard als Luxus-Kreuzfahrt mit White Star Service in der erlebten Realität an Bord immer weiter auseinanderfällt.

Einer meiner Lieblingsvlogger, Bill von Ritzys Travel Guide https://youtube.com/@ritzytravelguide?si=3At4he_hOOCUq_Wx  hat Ende August 2026 nach dem Ende einer einwöchigen Reise auf der Queen Victoria seine Bedenken über die aktuelle Entwicklung bei Cunard gut zusammengefasst:

Bill und Mrs.Ritzy machen exzellente Videos über Ihre Reisen und ich schätze Ihre in bester britischer Art gemachten Bewertungen, weil sie mit einem Ansatz an das Reisen unterwegs sind, der gut zu meiner persönlicher Herangehensweise passt. Zudem können sie auf weit längere und intensivere Reiseerfahrungen aufbauen. Bill und ich schätzen die Queen Victoria als Schiff und er bringt das gut auf den Punkt: „She was designed to evoke the Golden Age of Cruising. You see it in her details, design and atmosphere. She was gloriously fitted out to feel grand. In that respect, she remains superb.“

Und auch über das jetzt folgende „Aber“ habe ich bei meinen letzten Cunard-Reisen berichtet: : „… LOOKING like a grand ship is only part of the equation. She also needs to FEEL like a grand experience. It should offer memorable cuisine, entertainment, a degree of pampering, service… a joie de vivre. It should wow & delight you. But…this is where time has been less kind.“

Sailaway Magazine über die 4 Queens

Ich war in diesem Jahr länger sowohl auf der Queen Victoria als auch auf der Queen Mary 2 (und kürzer auf der Queen Anne) und kann darum gut mit eigener Erfahrung nachvollziehen, dass es deutliche Veränderungen im „Feel“ der Reisen, in der Qualität des Angebots und im Service, ganz allgemein im Preis-Leistungsverhältnis auf diesen drei Queens, aber auf den Schiffen in unterschiedlicher Ausprägung, gibt. Besonders enttäuscht hat mich dabei die Queen Mary 2. Ob das an Budgetkürzungen durch Carnival Corporation oder an anderen Gründen liegt, kann ich nicht abschließend beurteilen, aber das Ergebnis ist für mich, dass ich die Leistungen von Cunard mit denen von anderen Reedereien mehr zum Nachteil von Cunard vergleiche und mich bei der Buchung zukünftiger Reisen frage, ob ich woanders nicht ein besseres Preis-Leistungsverhältnis finde.

Bill bringt mein Dilemma gut auf den Punkt: „But how can Cunard recreate the experience of its glory days if the budget simply isn’t there? This saddens us, and many fellow passengers told us the same. Cruising needs diversity, and a capable, classic style of cruising deserves its place. Cunard used to be its champion. The reliable Cunard is slipping away. Victoria is entering a dry dock in October. However, the cuts in cuisine, entertainment, staffing and activities are not part of the dry dock. That’s ongoing service. …Are we giving up on Cunard? Not yet. We hope common sense prevails, and Carnival sees they are holding history in their hands. Dont kill off, or let slowly wither away, one of the real jewels of ocean going history.  The ship is elegant, and a delight.  It needs Carnival to invest in a way that returns Cunard to the top.  This should not be a race to the bottom.The reliable Cunard is slipping away. It’s something very special, that needs to be preserved &  nurtured.“

Ich werde in 2027 und 2028 bei schon gebuchten Reisen die Entwicklung weiter beobachten. Aber die Cunard-Entwicklung wird auch Teil eines Entscheidungsprozesses sein, ob ich in den kommenden Jahren eine grosse Investition an Zeit und Geld in eine Cunard-Weltreise mache, oder anders Neues entdecke und Bekanntes genieße. Und auch wenn der Kreuzfahrtmarkt immer weiter wächst und Cunard neue, jüngere Gäste gewinnen muss, so stellt sich die betriebswirtschaftliche Frage, ob man den „neuen“ dauerhaft die Cunard-Geschichte als USP ohne Substanz verkaufen kann, und gleichzeitig die loyalen Langzeitgäste weiter buchen, obwohl nur noch ein Schatten der Gründe für die Loyalität erlebbar ist. Dazu habe ich gerade bei meiner letzten Queen Mary 2 Reise Erfahrungen gemacht, die mich an die Gedanken- wenn nicht gar Lieblosigkeit in einer langjährigen Beziehung erinnern, wo ein Partner dann verwundert ist, wenn die andere Person geht und danach viel glücklicher ist. In der Sprache der sozialen Medien würde ich meinen „Beziehungsstatus“ mit Cunard als „Es ist kompliziert“ beschreiben. Man wählt aufgrund der Versprechen für die Zukunft und weniger aufgrund der Verdienste in der Vergangenheit. Und meine zukünftigen Buchungen werden wohl dem Prinzip meiner Großmutter „Festhalten und weitersuchen“ folgen.

Auf jeden Fall werde ich weiter reisen und darüber berichten. Denn die Gründe, warum Reisen für mich wichtig ist, hat Anika Landsteiner gut auf den Punkt gebracht.

Reisen ist lehrreich, Reisen wirft uns in Ausnahmesituationen, ohne vorher zu fragen, Reisen macht Spaß, Reisen ist ungemein bereichernd. Im Endeffekt ist Reisen wie Leben im Schnelldurchlauf. Alles, was man erlebt, ist konzentrierter und intensiver. Ein Schatz an Erfahrungen, der bleibt.

Anika Landsteiner, Gehen um zu bleiben

Eine Antwort zu „Sind #CunardDreams broken?“

  1. Avatar von Alexander
    Alexander

    Ich verfolge diesen Block schon lange, lese ihn mit Gewinn und schätze ihn sehr. Es ist, als ob ich selbst bei den Reisen dabei gewesen wäre, obwohl ich noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff war. Dazu tragen die ausdrucksstarke Sprache, der Sinn für das Detail und eine ehrliche und unabhängige Beurteilung der Dinge bei.

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